Kreativität & Computer und der „kreative Kick“

Der Beitrag „Kreativität & Computer und der kreative „Kick“ von Stanke und Koch ist fertig gestellt und wird bei ‚www.kreativität4punkt0.de‚ und auch bei www.problemlösenderKreativität.de veröffentlicht.

Er setzt sich mit dem kreativen Lösen (kreative Kick) der Problem- bzw. Widerspruchsthematik als letzte Stufe der Anwendung von Kreatvitätstechiken (KT) auseinander und leitet Schlussfolgerungen für die Arbeit mit KT, die Simulation des kreativen Schrittes auf Computern und die Aus- und Weiterbildung zu KT ab.

 
 Klaus Stanke; Peter Koch                                                                          22.04.2021
 Kreativität & Computer und der kreative „Kick“
 Unter Nutzung des Komplex 4 (4.2-4.4) der Rohrbacher Manuskripte Heft 23 „50 Jahre Systematische Heuristik“ [1].

 1. Zu vorgefundenen Tendenzen der Entwicklung von Kreativitätstechniken (KT)
 Das Angebot zu Kreativitätstechnik-Systemen für Aus- und Weiterbildner ist durch eine große Zahl unabhängig voneinander agierender Autoren aktuell sehr vielfältig. Auch ein Bestreben zu größerer Vollständigkeit, Spezifik und Detailliertheit/Komplexität ist erkennbar, zunehmend mit dem Ziel, so besonders wirkungsvolle methodische Hilfen für die Nutzer zu schaffen. Das Bestreben vieler Aus- und Weiterbilder von KT aller Art, von Autoren und Anwendern usw., die Zahl, Detailliertheit, Komplexität und Spezifik der Methoden der KT („Einzel“-KT wie den morphologischen Kasten oder KT-Systeme wie TRIZ, die in sich viele solcher Methoden integrieren) in vielfältiger Form fortschreitend zu erweitern, scheint der Hoffnung zu genügen, damit doch den kreativen Schluss für die radikale Widerspruchslösung bzw. Innovation mit zu erfassen. So eine Hoffnung stützt die Illusion, auch das unmittelbare, direkte, letztendliche Generie-ren, den letzten schöpferischen Schritt zur kreativen Idee durch die KT leisten zu können. bzw. dies mit einer dieser immer spezieller werdenden Erweiterungen letztlich doch zu erreichen. 
 
 Dazu soll hier nachfolgend Stellung genommen werden und einige Schlussfolgerungen dazu – so auch für die Simulation eines „kreativen Schlusses“ mittel Computer - vorgestellt werden.
 Sicher ist, gute KT, richtig angewendet, führen an die kreative Lösung heran. Sie fördern mit dem Erkennen des Problemkerns und des Haupt-widerspruchs, der kreativen Suchfrage, einer geeigneten Suchrichtung und dem potentiellen Such-Raum den kreativen Schluss und damit die Lösungsfindung. Sie bieten mitunter auch „Kristallisationspunkte“ für die Lösungsidee. Sie unterstützen das methodisch-systematische Vorgehen und das Finden des systematischen Weges. Das ist für effektives, kreati-ves Arbeiten immer relevant und zu unterstützen. Aber der unmittelbare „kreative Schluss“ als Auslöser der kreativen, kompromisslosen Idee (wenn nicht eine Optimierungsaufgabe zur Lösung ausreichen soll) ist bei diesen Weganleitungen (Methoden) nicht hinreichend oder generell nicht mit enthalten. 
 KT sind für effektives, kreatives, methodisch-systematisches Arbeiten im Problemlösungsprozess unverzichtbare Hilfen, aber sie ersetzen nicht den die neuartige Lösung generierenden kreativen Kopf, das „präsente und schlummernde“ Wissen und das kreativitätsfördernde Umfeld. KT-Metho-den sollen anregen, nicht reglementieren; helfen und unterstützen, nicht ersetzen oder die Lösung „vorgeben“. Sie können damit erstrebenswerter Weise ein methodisch-systematische Vorgehen ermöglichen, statt des probierenden oder vorwiegend intuitiven Arbeitens. Aber auch bei hoher Detailliertheit der Anleitung (KT) erfassen sie nicht den kreativen „Kick“, der es erst dem Kopf ermöglicht, die Idee zu generieren und ihre Innovationsfähigkeit vorausschauen zu erkennen. 
 
 Es ist bekannt, dass das Vorgehen für den Übergang von einer Funktion oder einer Variablen und den aus ihnen abgeleiteten Suchfragen zu einem potentiellen Such-Raum für neuartige, „radikale“ innovationsträchtige Lösungsideen unbestimmt und mehrdeutig ist. Lösungsfindungsmethoden können - s. oben -, die Lösungsfindung wirk-sam vorbereiten und die Kreativität für auch radikale Innovationen aktivieren. Sie können jedoch die Mehrdeutigkeit und Unbestimmtheit dieses Übergangs zur neuartigen, originellen innovativen Lösung des Widerspruchs, der Hindernisse, der Barrieren in letzter Instanz nicht ohne den „kreativen Schluss“, den kreativen „Kick“ bewältigen. Es ist ein solcher kreativer „Kick“ nötig, der häufig in der Literatur und in Methodiken als Intuition – siehe zum Begriff Intuition auch Ende Abschnitt 3 - ausgelöst z.B. durch Inspiration, Assoziation, Eingebung, Gedankenblitz, Reflexion, Analogie, Suchen neuer Blickwinkel beschrieben wird. 
  
 Andernfalls wird oft auch durch Identifikation auf mehr oder weniger Bekanntes zurückgegriffen, das damit zur Lösung des Problems/Wider-spruchs durch Optimieren führen kann. Auch so können natürlich wertvolle innovative Lösungen gefunden werden.
 
 Es ist außerdem zu beachten, dass es in diesem Übergang von der Suchfrage zur Lösung potentiell mehrere funktionserfüllende Strukturen, Varianten, Effekte bzw. Lösungsideen gibt. 
 Ideen zu finden ist aber nur ein erster Schritt zum Erfolg beim Finden innovativer Lösungen. Nicht selten ist dieser erste Schritt sogar relativ ein-fach und bringt viele Ideen hervor, wenn der Problemkern und der Haupt-widerspruch gut herausgearbeitet werden konnten und eine klare Suchfra-ge vorliegt. Das reicht jedoch nicht aus. 
 Es wird mit einem zweiten Schritt notwendig, in dem generierten Ideen-feld innovationsträchtige, widerspruchslösende neuartige, noch nie dage-wesene Ideen in ihrer künftigen Bedeutung vorausschauend zu erkennen. Auch dieser zweite Schritt des Erkennens erfordert neben einem angemes-senen Wissen für den kreativen Schluss eine bedeutende, komplexe krea-tive Leistung. 
 Erst danach später wird davon ausgehend in der Regel mit gedanklichen Modellen und Experimenten usw. eine weitere Vertiefung der Erkenntnisse zum Innovationspotential erarbeitet.
  
 Diese beiden Schritte 1+2 für den kreativen Schluss verschmelzen im kreativen Problemlösungsprozess. Sie werden dem Bearbeiter nur bedingt bzw. zum Teil bewusst. Sie sind in der Regel das letzte, recht elementare, aber immer wieder notwendige Glied zur kreativen Lösungsfindung. Auch die komplexen, diskursiven Lösungsmethoden führen in „der Tiefe“ auf diesen elementaren kreativen Schluss zurück.Diese Schritte 1 und 2  sind verschieden modifiziert, jedoch prinzipiell in den typischen Lösungsfindungsmethoden eingebunden.
 Der Erfolg in dieser Phase hängt auch ab von dem flexiblen, kreativen
 Wechseln, dem Springen zu und zwischen den verschiedenen Zielmodel-len, den Ansatzpunkten, dem Bilden neuer Begrenzungen, Ebenen, Feldern bzw. Bezugsräumen und Möglichkeiten. Zu viel davon wäre hinderlich bzw. zu aufwändig und ein zu frühes einspuriges Denken würde die Kreativität einschränken. Auf dieses in folgenden Ausführungen als „Manövrieren“ bezeichnete Arbeiten wird später noch einmal eingegangen.
 
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fahrung aus der Innovationspraxis sowie der Aus- und Weiterbildung seit ca. 50 Jahren: Für die kreative Lösungsfindung reichen in der Regel ca. 6 bis 9 bewährte diskursive Methoden (siehe [4]) und einige Dialogmethoden.
 Zu den diskursiven Methoden zählen z.B.: 
 ·                die kreativen Lösungssuchmethoden,
 ·                die Variationsmethoden, 
 ·                die Kombinationsmethoden (Morphologie), 
 ·                die Feldforschungsmethoden.
  
 Für den kreativen Schluss bzw. „Kick“ sind ergänzend sehr förderlich z.B. folgende Lösungs-Prinzipien und Grundsätze:
 ·          die innovativen Lösungsprinzipien von Altschuller und Zobel,  Übersichten zu naturgesetzmäßigen Effekten, Wirkpaarungen und Wirkprinzipien mit ihren Wirkungsweisen, die inhaltlich aufbereitet und systematisch geordnet sind, z.B. in [5]
 ·          die Variationsprinzipien für Anregungen zu neuen Lösungsideen für relevante Systemkomponenten und -eigenschaften, wie Teilsysteme, Elemente, Kopplungen, Verbindungen, Anordnun-gen, Wirkpaarungen, Einwirkungen/Auswirkungen, Anforderun-gen/Restriktionen, Umstände, Parameter und das Umfeld [4]
 z.B. durch die Anwendung der Variationsprinzipien: Austauschen, Zerlegen, Abtrennen, Umkehren, Hinzufügen,  Vervielfältigen, Parallelisieren, Reduzieren, Weglassen, Wechseln, Zusammenfassen, Verknüpfen, Integrieren, Kombinieren, Umgehen, Verlagern, Kompensieren, Erhöhen, Vergrößern, Verkleinern, Minimieren, Maximieren, Abstrahieren u.a. 
 ·        die Stoff-Feld-Analysen
 ·        die Grundsätze zur Problem- und Widerspruchs-Erkennung/ Präzisierung /4/ z.B.:  
 - Problem, Widerspruch, Anforderungen verstehen, verfrem-den, zuspitzen, verdichten, qualifizieren, variieren; 
 - Gesichtsfeld und Sichtweisen verändern, distanzieren, 
 - die 7W-Fragen anwenden auf Problem/Widerspruch,
 - Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge klären und Modelle bilden,
 - Variationsfeld für Sollkenngrößen aufspannen,
 - Manipulieren mit der “idealen Lösung“ 
  
 Diese Prinzipien und Grundsätze können zusammen mit der Suchfrage und mit dem Wissen der Bearbeiter Hebel, Triebkraft, Ausgangspunkt, Sprungbrett für das kreative Generieren von innovativen Ideen sein, wenn der Nutzer sie inhaltlich gut erfasst hat und ihre fallspezifische Nutzung geübt/trainiert hat.       
 

PATENTE UND DIGITALISIERUNG 4.0

HIER finden sie ein Interview zwischen Prof. Dr. Klaus Stanke und dem Patentanwalt Ingo Weissfloh von der Patentanwaltskanzlei „Patentanwälte Ilberg & Weissfloh“ Dresden. Thema ist die Zukunft des Patentwesens bei der Digitalisierungsstufe 4.0.

Beitragsgesuch

Zur Zeit nicht weiter mit Inhalt belegt aber gesucht wird noch ein Beitrag, der die KT an der Informationstechnik (IT) spiegelt, sprich wie moderne IT (inkl. Sensorik und Motorik) in den Prozess der kreativen Problemlösetechnik eingebracht und verknüpft werden kann. Bei Interesse oder Vorschlägen melden Sie sich gern per Email oder Kontaktformular.

Auftaktbeitrag Kreativität 4.0

Der Auftaktbeitrag für unsere Website von Prof. Dr. Volker Heyse betrachtet die Kreativität 4.0 durch Aufstellung von Thesen von verschiedenen Blickwinkeln und bietet damit einen guten Einstieg in die Thematik. Abrufen können Sie den Beitrag HIER.

TRIZ am Wendepunkt

Ein Beitrag von Dipl.-Ing. D. Skrobotz zur Situation bei der Weiterentwicklung von TRIZ (Abk. russ. für teorija res’enija izobretatel’skich zadac (Theorie zur Lösung von Erfindungsaufgaben)) kann jetzt HIER abgerufen werden.

Kreativität in Vergangenheit und Zukunft

Sie finden jetzt HIER einen Beiträge von Dipl.-Ing. Dieter Skrobotz mit einem interessanten Ansatz der in Zusammenhang mit „Kreativität 4.0“ nicht von ‚Kreativität plus Digitalisierungsstufe 4.0’ (oder ‚unter Digitalisierungsstufe 4.0’) ausgeht, sondern eine eigene Stufung von Kreativität überzeugend schildert und so das Gesamtthema seitens der Kreativität angeht. 

Kreativität an sich’ wird nicht als unveränderlich in diesem Prozess betrachtet, sondern als dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen und mit einem eigenständigen Beitrag rückwirkend auf die jeweilige Etappe.